SkIG - Schutz kritischer Infrastruktur von Großveranstaltungen, Förderschiene: KIRAS, 2008


SkIG - Schutz kritischer Infrastruktur von Großveranstaltungen, Förderschiene: KIRAS, 2008 


Funktion: Projektleitung, Edith Huber


Die Nutzung von Videoüberwachungstechnologien nimmt laufend zu. Sie sollen dem Schutz der BürgerInnen sowie der Verbesserung des Sicherheitsempfindens dienen und Kriminialität verringern. Andererseits wird die Nutzung dieser Technologien auch immer wieder als
Eingriff in die Privatsphäre kritisiert und der Nutzen ihres Einsatzes in Frage gestellt. Im Rahmen des Projektes „Schutz kritischer Infrastruktur bei Großveranstaltungen“ wurden daher das Sicherheitsempfinden der BürgerInnen und ihre Einstellung zur Videoüberwachung untersucht. Darüber hinaus wurde die Frage nach dem Einfluss der Anwesenheit von Videoüberwachung auf das Wohlbefinden der Befragten gestellt, um neu Erkenntnisse zum Verhältnis von Technik, Mensch und Gesellschaft zu gewinnen.



1. Einleitung

Schon Manfred Murck wies 1978 auf ein noch immer aktuelles Problem hin: “Für den
Sicherheitsbereich lässt sich beobachten, dass mit dem pauschalen Verweis auf Angst und Zorn „des
Bürgers“ gesetzliche und polizeiliche Maßnahmen begründet werden, ohne dass spezifische Sorgen
analysiert und berücksichtigt und entsprechende Erfolgskontrollen geführt werden.“ (Murck, 1978,
203) Dreißig Jahre danach ist das Thema aktueller denn je. Videoüberwachung ist ein Teil unseres
Lebens geworden und kommt häufig als einzige Sicherheitstechnik vor Ort zum Einsatz.
Videoüberwachung stellte einen gravierenden Eingriff in die Grundrechte der BürgerInnen dar, daher
bedarf es einer näheren Untersuchung des Forschungsgegenstandes. Im Fokus des vorliegenden
Forschungsprojektes standen Einflussfaktoren auf die Sicherheit und das Sicherheitsempfinden von
BesucherInnen von Großveranstaltungen, die heutzutage immer beliebter werden. Verstärkt wurde auf
die Rolle der Technologie insbesondere der Videoüberwachung bei Großveranstaltungen eingegangen,
da diese eine außerordentliche Situation darstellen. Die Fußball-Europameisterschaft 2008 in
Österreich und der Schweiz bot daher den idealen Anlass, um im Umfeld dieses Großereignisses eine
empirische Untersuchung durchzuführen.

2. Technische Aspekte der Videoüberwachung

Die ersten Videoüberwachungssysteme wurden in der Form von analogen „Closed Circuit
Television“-Lösungen (CCTV) Anfang der 1960er Jahre entwickelt und eingesetzt. Zu Beginn noch
mit einigen wenigen analogen Kameras ausgestattet erzeugten schon bald eine Vielzahl von Kameras
Videosignale, die an einer zentralen Stelle (Kontrollraum) zusammengeführt wurden. Dem
Bedienpersonal war es vorbehalten, die zahlreichen Videobilder auf einer limitierten Anzahl von
Monitoren zu betrachten, zu bewerten und im Anlassfall entsprechende Maßnahmen einzuleiten.
Der vorliegende Beitrag entstand im Rahmen des „SkIG“-Projektes, das das Zentrum für
praxisorientierte Informatik der Donau-Universität in Zusammenarbeit mit der Center Communication
Systems GmbH durchgeführt wurde. „SkIG“ steht dabei für „Schutz kritischer Infrastruktur bei
Großveranstaltungen“. Das Projekt wurde finanziert im Sicherheitsforschungs-Förderprogramm KIRAS
vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT). Dieser Artikel kam mit
Unterstützung von DI Martin Forster und Andreas Wüster zustande.

Ausgehend von technologischen Durchbrüchen und Entwicklungen bei Kameras und
Computerhardware Anfang der 1980er Jahre ergaben sich für videobasierte Überwachungssysteme
neue Möglichkeiten. Die digitale Übertragung von Videodaten über Computernetzwerke ermöglichte
weitere flexiblere Gesamtsysteme und verbesserte die Qualität der übertragenen Videos maßgeblich.
Mit dem Durchbruch der digitalen Kameras wurde die Qualität der verfügbaren Videodaten noch
einmal gesteigert und eindeutig verbessert. Durch den beginnenden Einsatz von bild- und
videoverarbeitender Algorithmik während der 1990er Jahre erlangten videobasierte
Überwachungssysteme einen gewissen Grad an Intelligenz. Die Effektivität von
Videoüberwachungssystemen konnte durch diese intelligente Vorfilterung erhöht werden, die hohen
Erwartungen konnten jedoch im praktischen Betrieb noch immer nicht erfüllt werden. Auf diesem
Gebiet findet nach wie vor intensive Forschungs- und Entwicklungsarbeit statt, da die Anforderungen
der Praxis durch die aktuelle Technik noch immer nicht erfüllt werden können.
Eine moderne Sichtweise ergibt sich aus der Forderung, ein videobasiertes Detektionssystem, die im
großen Umfang für die Sicherheit von vielen Menschen und die Effizienz von spezifischen Abläufen
an öffentlich zugänglichen Orten zuständig sind. Essentiell für einen sicherheitssteigernden Einsatz ist
die Einbettung in übergeordnete Leit- und Steuersysteme, die auf Basis von wohldefinierten Prozessen
betrieben werden.

3. Forschungsdesign - Datengrundlage

Datengrundlage für die Arbeit bildet eine mündliche quantitative Befragung von n=301 Personen. Für
die statistischen Auswertungen der situationsbezogenen Fragen in diesem Artikel wurden nur jene
Fälle herangezogen, bei denen sich die interviewte Person an einem Ort befand, an dem
Videoüberwachung durchgeführt wurde, also im „Sicherheitsring“ um das Ernst Happel Stadion, in
der Fanzone (Unterhaltungsmeile in der inneren Stadt Wiens) oder in einem Verkehrsmittel
beziehungsweise einer Station der Wiener Linien. Die Interviews wurden an Spieltagen der Fußball-
EM 2008 unmittelbar vor oder nach bzw. während eines Spieles (Fanzone) durchgeführt. Die
Interviewten waren während der Interviewsituation also sowohl mit Videoüberwachung als auch mit
einer Großveranstaltung direkt konfrontiert und konnten somit ihre Erfahrungswerte zum Ausdruck
bringen. Ihnen wurden daher auch Fragen nach ihrem unmittelbaren subjektiven Empfinden und ihren
unmittelbaren Wahrnehmungen gestellt und nicht nur abstrakte oder hypothetische Fragen. Das
sportliche einzigartige Großereignis Fußball-EM bot die Gelegenheit, Personen an unterschiedlichen
Tagen, jedoch unter sehr ähnlichen situativen Umständen zu befragen. Theoretisch und methodisch
liegt dem Artikel das cognitiv mapping3 zu Grunde. Dieses kann man als Mittel zur Erfassung von
sozial-räumlicher Imagination verstehen, die auch die subjektiven Einstellungen zur
Videoüberwachung beeinflussen. Es steht also nicht primär die Technologie im Vordergrund, sondern
die umgebenden und befördernden Diskurse und Einstellungen der Menschen. Das bedeutet, dass
cognitive mapping nur die vereinfachten Spiegelbilder einer wie auch immer geschaffenen
Wirklichkeit liefert, die ihre Aussagekraft gerade in der Vereinfachung und dem Empfinden haben.
(Czerwinski et al, 2006) Dieser Ansatz wurde gewählt, da es trotz der auffallend räumlichen
Dimension von Videoüberwachung bisher nur wenige Untersuchungen gibt, die einerseits räumliche
Aneignungsprozesse ins Zentrum stellen, andererseits die Wahrnehmung und subjektive Einstellungen
der Menschen untersuchen.

4. Deskriptive Befunde der Untersuchung

Theoretische und methodologische Ursprünge des cognitive mapping liegen in Geographie und
Psychologie und beschreiben die Prozesse des Erlernens und Verstehens von räumlichen Strukturen
– durch Erfahrungen und sekundäre Informationen, z. B. Medien, Freunde. In den 1960er Jahren
entwickelte die Geographie das cognitive mapping um menschliche Erfahrungen in geographische
Diskurse zu integrieren und die kulturellen und sozialen Kontexte räumlichen Verhaltens mit
einzubeziehen. Dabei spielen weniger die Mechanismen der Entscheidungsfindung eine Rolle, als die
Zusammenhänge sozial-räumlicher Vorstellungen, das Wissen über Überwachung und die darauf
beruhenden Einstellungen zu Überwachungsmaßnahmen im täglichen Leben.(vgl. Hubbard et al.,
2002, S. 33-36)

Die befragten Personen wurden gebeten ihr generelles Sicherheitsgefühl in Wien anhand einer
Schulnotenskala zu bewerten. 42,9% antworteten mit „sehr gut“, 35,2% mit „ gut“, 16,9% mit
befriedigend, 4,3% mit „genügend“ und 0,7% mit „nicht genügend“. Insgesamt ist das
Sicherheitsgefühl der Befragten also gut. Überraschenderweise lässt sich jedoch kein Zusammenhang
zwischen dem generellen Sicherheitsgefühl einerseits und Alter beziehungsweise Geschlecht
andererseits feststellen. Wien wird an und für sich als sichere Stadt eingestuft.
Weiters wurde nach der Zustimmung zu der Aussage „Ich fühle mich heute hier wohl.“ gefragt. Rund
zwei Drittel (64,7%) gaben an, dass diese Aussage voll auf sie zutrifft, 21,3% antworteten, die
Aussage trifft zu, 7,2% antworteten, sie trifft eher weniger zu, für 4,3% trifft sie kaum zu und für 2,6%
der Befragten gar nicht. Insgesamt fühlt sich also die überwiegende Mehrheit der interviewten
Personen am Ort, an dem die Befragung stattfand wohl. Dieses Ergebnis überrascht nicht, da wie
bereits in der vorangegangenen Frage beschrieben, Wien als sichere Stadt eingestuft wurde. Selbst die
Befragten in Verkehrsmittel der Wiener Linien hätten etwa aus Angst vor Hooligans oder vor
Ausschreitungen in- und ausländischer Fans den Fahrtantritt früher oder später wählen
beziehungsweise eine andere Route wählen können. Die Annahme liegt Nahe, dass das Wohlbefinden
und subjektive Sicherheitsempfinden der befragten Personen in Hinblick auf Großveranstaltungen
besonders von spezifischen Sicherheitsvorkehrungen abhängig ist, die entweder sichtbar sind, oder
über die die Interviewten auf einem anderen Weg (etwa über die Medien) erfahren haben. Die
RespondentInnen wurden daher nach ihrer Zustimmung zu der Aussage „Durch entsprechende
Sicherheitsmaßnahmen fühle ich mich auch bei Großveranstaltungen wohl.“ gefragt.
Für 48,3% der Befragten trifft diese Aussage voll zu, für rund ein Viertel (25,8% ) trifft sie zu, für
16,9% der Befragten trifft sie eher weniger zu, für 4,2% kaum und für 4,7% gar nicht. Die Mehrheit
der Befragten gibt also an, dass entsprechende Sicherheitsmaßnahmen zu ihrem subjektiven
Wohlbefinden bei Großveranstaltungen beitragen. Allerdings können die Vorstellungen und die
Kenntnisse über Sicherheitsvorkehrungen differieren. Dass etwa Videoüberwachung durchgeführt
wird, ist, wie nun gezeigt wird, bei Weitem nicht allen Befragten bewusst. Wie erhoben wurde, geben
lediglich die Hälfte (53,6%) der Befragten an, sich des Einsatzes von Videoüberwachung bewusst zu
sein. 35,7% geben an, vor Ort schon Überwachungskameras entdeckt zu haben.
Nur etwas mehr als die Hälfte der Befragten war sich also bewusst, dass sie per Videotechnik
überwacht wird. Dieses Ergebnis lässt den Schluss zu, dass relativ viele Personen schlecht oder gar
nicht über Videoüberwachung beziehungsweise über die Sicherheitsvorkehrungen trotz laufender
Medienberichterstattung bei Großveranstaltungen informiert sind. Das ist der Fall, obwohl auf die
Videoüberwachung an den betreffenden Orten durch Hinweisschilder et cetera aufmerksam gemacht
wird. „Gouvernementalität“, also das Anregen der Selbstbeobachtung und eine dadurch verbundene
Verhaltensanpassung an vorgeschriebene Regeln im überwachten Raum, kann demnach, wenn
überhaupt, nur bei etwas mehr als der Hälfte der Personen zum Tragen kommen (Krasmann, 2005).
Auch in Hinblick auf eine tatsächliche Erhöhung der subjektiven Sicherheit scheint also ein Ausweiten
der Information zur Videoüberwachung an Orten, die überwacht werden, erforderlich.

5. Videoüberwachung und subjektives Sicherheitsgefühl

Es lässt sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen der Zustimmung zur Videoüberwachung und
dem Erkennen der Videokameras vor Ort feststellen (Spearman-rho:0,183; p=0,005). Während 41,2
Prozent der Befragten, die ausnahmslos oder eher für Videoüberwachung sind bereits Kameras vor Ort
gesehen haben, geben nur 21,4% jener Befragten, die ausnahmslos oder eher gegen
Videoüberwachung sind an, bereits Videokameras vor Ort gesehen zu haben.
Menschen, die also Videoüberwachung generell befürworten, bemerken auch eher die Kameras vor
Ort und sich ihrer Anwesenheit bewusst. Die Erklärung für diese Ergebnisse ist eine intervenierende
Variable: Personen, die besser über Videoüberwachung Bescheid wissen, bemerken es auch eher,
wenn sie selbst per Kamera überwacht werden. In einer Vergleichsstudie von Hölscher, 2003, wo eine
repräsentative Umfrage4 zur Einstellung gegenüber Videoüberwachung in Leipzig durchgeführt
N=747 wurde, ließ sich festhalten, dass ausnahmslos für Videoüberwachung 32,7%, eher dafür 46,5%, eher
dagegen 14,6% und ausnahmslos dagegen 6,3% der Befragten waren. Im Vergleich zu den hier
gewonnenen Daten lässt sich eine Verschiebung zu Ungunsten der Akzeptanz erkennen. 16% der in
Wien Befragten geben an, ausnahmslos für Videoüberwachung zu sein, 47,5% sind eher für
Videoüberwachung, 29,4% sind eher gegen Videoüberwachung und 7,1% sind ausnahmslos gegen
Videoüberwachung. Die WienerInnen stehen also der Videoüberwachung etwas skeptischer gegenüber
als die LeipzigerInnen. Außerdem besteht ein Zusammenhang zwischen dem Alter der Befragten und
ihrer Zustimmung zur Videoüberwachung (Spearman-Rho= 0,203; p=0,000). Das bedeutet in diesem
Fall, dass die befragten die Videoüberwachung umso eher befürworten, je älter sie sind. Das lässt die
Vermutung aufstellen, dass mit zunehmenden Alter das Sicherheitsbedürfnis steigt. Zwischen den
Geschlechtern sind Zustimmung beziehungsweise Ablehnung nahezu gleich verteilt.
Die Installation von Videoüberwachung wird nicht nur mit einer präventiven Wirkung oder einer Hilfe
bei der Aufklärung von Verbrechen gerechtfertigt. Oft wird auf Ängste der BürgerInnen an
bestimmten Orten verwiesen (Hölscher, 2003). Demnach müssten jene Personen, die am Interviewort
Videoüberwachungskameras entdeckt haben oder die sich zumindest ihrer Anwesenheit bewusst sind,
sich wohler fühlen als jene, die sich der Anwesenheit von Überwachungskameras nicht bewusst sind.
Zwischen dem subjektiven Sicherheitsempfinden am Ort des Interviews einerseits und dem Bemerken
der Videoüberwachung beziehungsweise dem Bewusstsein von Videoüberwachung andererseits lässt
sich jedoch kein statistischer Zusammenhang erkennen. Mit anderen Worten: Jene, die Wissen, dass
sie „überwacht“ werden, fühlen sich deswegen nicht wohler, aber auch nicht weniger wohl als jene,
die nicht wissen, dass sie gefilmt werden. Die empirischen Ergebnisse sprechen also dagegen, dass die
Anwesenheit von Überwachungskameras, zumindest was sportliche Großveranstaltungen betrifft, das
Sicherheitsempfinden der anwesenden Personen tatsächlich erhöhen oder zum Wohlbefinden
beitragen.

Die hier gewonnenen Daten erlauben jedoch keine Erklärungen über die Auswirkungen von
Videoüberwachung auf das Wohlbefinden an Orten, die sich von jenen, an denen diese Befragung
stattgefunden hat grundlegend unterscheiden. Während bei beziehungsweise im Umfeld von
Großveranstaltungen unter anderem die großen Menschenmassen als bedrohlich empfunden werden
können, ist es an manch anderen Orten, wie Tiefgaragen, Parks und Unterführungen genau das
Gegenteil, nämlich die Einsamkeit und die fehlende Hilfe durch andere Personen im Notfall, das ein
unangenehmes Gefühl erzeugen kann. Ein weiterer tragender Unterschied ist, dass bei
Großveranstaltungen für gewöhnlich Sicherheitskräfte vor Ort sind. Ähnliche Interpretationen lassen
sich in der Vergleichsstudie von Hölscher, 2003 erkennen.

6. Einsatzkräfte /Sicherheitspersonal und Wohlbefinden beiGroßveranstaltungen

Wie weiter oben bereits erwähnt wurde, gibt die Mehrheit der Befragten an, dass sie sich durch
entsprechende Sicherheitsmaßnahmen bei Großveranstaltungen wohl fühlt. Neben den Auswirkungen
von Videoüberwachung auf das Wohlbefinden der Befragten wurden auch die Auswirkungen der
Anwesenheit von PolizistInnen, RettungssanitäterInnen und von Security-Personal untersucht. Es
wurde nicht danach gefragt, ob die genannten Personen den Befragten aufgefallen sind oder ob sie sich
ihre Anwesenheit bewusst sind. Die interviewten Personen wurden nach ihrer Zustimmung zu den
Aussagen „Ich fühle mich durch die Präsenz von PolizistInnen/ RettungssanitäterInnen/ Security-
Personal wohl.“ gefragt. Sie konnten zwischen fünf Antwortmöglichkeiten zwischen „stimme voll
und ganz zu“ und „stimme gar nicht zu“ wählen. Die statistische Auswertung hat einen signifikanten
Zusammenhang zwischen der Zustimmung zu Aussage „Ich fühle mich durch die Präsenz von
RettungssanitäterInnen wohl.“ und der Zustimmung zur Aussage „Ich fühle mich heute hier wohl“
(Spearman-Rho= 0,368; p=0,000) ergeben. Wer also angab, sich durch die Präsenz von
RettungssanitäterInnen wohl zu fühlen, fühlte sich öfter auch bei beziehungsweise im Umfeld der
Großveranstaltung wohler als jemand, zu dessen Wohlbefinden die Anwesenheit von
RettungssanitäterInnen wenig oder nicht beiträgt. Das gleiche gilt für PolizistInnen (Spearman-
Rho=0,288; p=0,000) sowie Security-Personal (Spearman-Rho= 0,232; p=0,000). Daraus lässt sich
schließen, dass die sichtbare Anwesenheit dieser Berufsgruppen bei Großveranstaltungen, zumindest
was einen Teil der BesucherInnen betrifft, zu deren subjektiven Wohlbefinden beiträgt

6. Fazit

Eine Große Mehrheit der Befragten fühlt sich sowohl in Wien generell als auch im Umfeld der
Großveranstaltung wohl. Ebenso befürwortet eine Mehrheit der Befragten Videoüberwachung. Jedoch
ist der Anteil der Personen, die sich der Videoüberwachung bei Großveranstaltungen bewusst sind,
geringer als erwartet. Weiters bemerkten nur wenige Personen die Videoüberwachung vor Ort. Die
präventive Wirkung von Videoüberwachung dürfte daher, zumindest was Gr0ßveranstaltungen
betrifft, gering sein. Es konnte kein Einfluss von Videoüberwachung auf das Wohlbefinden der
befragten festgestellt werden, was dem häufig gebrauchten Argument, Videoüberwachung diene dem
Wohlbefinden der BürgerInnen, widerspricht. Jedoch konnte ein positiver Einfluss von anderen bei
Großveranstaltungen üblichen Sicherheitsvorkehrungen auf das Wohlbefinden der BesucherInnen sehr
wohl erkannt werden.

Literatur:
[1] Czerwinski Stefan et al, 2006: Sicherheit ein positives Lebensgefühl? in: Krim. Journal, JG 38,
Heft 4, S. 258-272
[2] Frevel, Bernhard, 1998: Kriminalität. Gefährdung der inneren Sicherheit
[3] Hölscher, Michael, 2003: Sicherheitsgefühl und Überwachung: Eine empirische Studie zu
Einstellungen der Bürger zur Videoüberwachung und ihrer Erklärung. In: Kriminologisches Journal.
35. Jg. Hamburg, S. 42-56
[4] Hubbard, Phil et al, 2002: Thinking Geographically, London
[5] Krasmann, Susanne,2005: Mobilität. Videoüberwachung als Chiffre einer Gouvernementalität der
Gegenwart. In: Leon Hempel und Jörg Metelmann (Hg.): Bild – Raum – Kontrolle, Frankfurt/M.:
Suhrkamp
[6] Murck, Manrfred, 1978: Die Angst vor Verbrechen und Einstellungen zu Problemen der
öffentlichen Sicherheit in: Kriminologisches Journal 3, S. 202-214
[7] Reuband, Karl-Heinz, 1992: Objektive und subjektive Bedrohung durch Kriminalität. Ein
Vergleich der Kriminalitätsfurcht in der Bundesrepublik Deutschland und den USA 1965-1990, in:
Kölnre Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 44, S. 341-353.

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